Addiertes Wahlergebnis Ende 2017: CDU/CSU 33,20 %, SPD 23,04 %, AfD 10,52 %, GRÜNE 10,00 %, FDP 8,96 %, DIE LINKE 8,10 %, FREIE WÄHLER 1,48 %

Nach den Wahlen im Herbst 2017 und damit zumindest bis zu den Landtagswahlen im Herbst 2018 hat das Parteiensystem in Deutschland auch im addierten Wahlergebnis seine Form gefunden: Neben den Zwergriesen CDU/CSU und SPD liefern sich vier Riesenzwerge AfD, GRÜNE, FDP und DIE LINKE ein hartes Rennen um den Titel „erster Verfolger“. Die FREIEN WÄHLER bleiben weiterhin eine bundespolitisch unbedeutende Kleinpartei.

Nach der Bundestagswahl, der vorgezogenen Wahl in Niedersachsen und letztendlich auch der Regierungsbildung im Bund ist das deutsche Parteiensystem zumindest für ein weiteres halbes Jahr in seiner aktuellen Form festgelegt.

Die Spitzenposition können weiterhin die Unionsparteien CDU und CSU halten. Mit gemeinsam noch 33,20 Prozent vom addierten Wahlergebnis rutschen die Schwesterparteien allerdings erstmals unter ein Drittel der gesamten Stimmen. Seit der Bundestagswahl 2013 haben sie damit 4,77 Prozentpunkte verloren.
Die SPD gesellt sich als zweiter Zwergriese zu den Unionsparteien. Die Sozialdemokraten können inzwischen weniger als ein Viertel der Stimmen holen (23,04 Prozent) und verlieren seit 2013 ebenfalls um stattliche 4,50 Prozentpunkte.
Für die Bedeutung beiden „großen Parteien“ heißt das: Der 2009 bereits verlorene Anspruch, gemeinsam eine Zweidrittelmehrheit der Wähler hinter sich versammeln zu können, rückt endgültig in weite Ferne

Addiertes Wahlergebnis der kleinen Parteien seit Gründung der AfD

Im addierten Wahlergebnis insgesamt nur etwa 2,5 Prozentpunkte auseinander und immer noch deutlich hinter der SPD folgen vier Parteien: Die AfD (10,52 Prozent), GRÜNE (10,00 Prozent), FDP (8,96 Prozent) und DIE LINKE (8,10 Prozent). Während GRÜNE (-0,54 Prozentpunkte) und DIE LINKE (+0,44 Prozentpunkte) aus der Zeit der GroKo2013-2017 wenig Kapital schlagen konnten, sind AfD und FDP deutlich im Aufwind. Mit 8,02 Prozentpunkten im Plus seit 2013 demonstriert vor allem die AfD eine bemerkenswerte politische Dynamik. Aber auch die FDP legt mit starken 3,45 Prozentpunkten seit ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag beachtlich zu.

Nicht zu vergessen die FREIE WÄHLER mit 1,48 Prozentpunkten. Bei der Bundestagswahl nahezu unverändert und ohne eine Wahl in der Hochburg Bayern tritt sie auch im addierten Wahlergebnis auf der Stelle. Die vor wenigen Jahren noch mögliche Ausweitung ihres Einflusses ist vermutlich auch vor dem Hintergrund des AfD-Aufstieges abgesagt.

Addiertes Wahlergebnis seit der Bundestagswahl 1990

Trotz der vermeintlichen Stärke der vier Riesenzwerge stecken die vier kleinen Bundestagsparteien jedoch fest: In vielen Ländern und auch im Bund ist ihre Machtperspektive schwierig. Mögliche Partner sind immer häufiger zu klein für eine Zweier-Koalition, die eigenen Wähler sind zu flüchtig und die Fünfprozenthürde zu nah, um mit Regierungsverantwortung Risiko auf sich zu nehmen. Das mag für einen überschaubaren Zeitraum für kleine Parteien keine unerträgliche Situation sein, auf Dauer werden sie aber vermutlich häufiger das Risiko eingehen wollen und müssen und damit auch in das Parteiensystem Bewegung bringen.

 

Deutsche Parteien 2018: Zwei Zwergriesen und vier Riesenzwerge
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